15.03.15

Conclusions from a Barcelonese winter

Certainly, my time in Barcelona was different from other moments in the life of this blog. With a scientific task, my encounter with the region was a constant oscillation between the “real world” and world of concepts. From the distance, I certainly lost some insights but also gained a perspective which I never had on similar occasions. So on the end of my time, rather then telling anecdotes (which I might could as well), I'll bore with some concluding remarks.

- The project of the European Union, once started to build up a stabile system of peace, has lost its founding idea. Due to the effects of the crisis 2008 in Spain and elsewhere and the tremendously timid reactions, ruling order satisfies markets, not more. Unemployment triples in just five years leaving every fourth person without work, 13 millions Spaniards are in risk of poverty, in 2012 526 persons lost their home every day, while inequality is on constant rise... and so on and so forth. Instead of easing or abolishing, the common market creates new inequalities between the south and the north, with Germany winning the race of competition. Question is: how long?

- That Spain does not collapse in a storm of indignation might be due to three reasons: Effects of unemployment and poverty are strongly stratified. Crisis hits those most who already before had been in worth conditions. Who lived in precarious conditions ever-since is less likely to rise the voice. The incomplete mosaic of Spanish welfare state nevertheless reaches millions of families and - although on a very low level - satisfies basic needs. Additionally, micro solidarity by the family covers the necessity of many people sitting in the gaps of market and welfare state, most of them youngsters, living in economically forced dependency.

- Hoe says that the Spanish state is not strongly challenged does maybe not look closely enough. With 15-M a strong grass-route movement started to make visible that there is and has to be alternative. With Podemos an only one year old party is likely to gain a forth of the votes in general elections this november, maybe even becoming biggest party in parliament. With about half of the population of Cataluña demanding independency, one of the richer parts of Spain is fighting to gain control over its territory, filled with hope to do it better. If that´s not signs of downfall, what is?

- Germany is becoming the new symbol of hegemonic power over Spain and the south of Europe. And what worries: it is the nation as a whole, not certain politics who is constructed to be the dominator. Media discourse is full of references to Germany, doesn't matter whether on political, economical or cultural issues and I got an idea how hegemonic ideology is constructed. There is no reason to talk about German writers or CDU party conventions, at least not more then about other countries artists and politicians, or is there?

- Barcelona definitely is a great city to live. With beaches and mountains surrounding, big-cities life and a public sphere of peace and diversity make it worth to stay o go there for a trip (leaving aside that richness in the centre is build on exploited suburbs where, as a tourist, you will never set a food inside). But, what becomes every post-crisis year more obvious, the tourism model of Barcelona routes on a model of inequality which pushes the inhabitants to the streets, rallying “cap pis turistic”. While rich northerners pay some low-cost carriers to spend a weekend of culture, beach and alcohol in the hotels and private dorms of the centre, Barcelonese become their service servants and have to move to the next remote area till the circus arrives there.

- Beauty of the Mediterranean sometimes strikes awfully. Even when going to the suburbs or leading my everyday life, every once in a while I got thunderstruck by a rock, a hill o just the light. Easy going social contacts and a culture of still gathering together with good food at holy times should be immediately imported to the North.

- It is possible to live four months in Barcelona without seeing a single game of Barça. Even not on television. Even not when they are winning again.




20.02.15

Mir reicht´s. Das ist nicht mein Deutschland.



Seit etwa vier Monaten höre ich mir an, was mir junge arbeitslosen Spanier von ihrem Leben erzählen. Haufenweise junge Menschen, die sich auf die Lebensmittelverteilung der Caritas verlassen müssen. Haufenweise junge Menschen, die froh sind, wenn sie einen Job für 200 € finden, die arbeiten, gleich zu welchen Bedingungen. Haufenweise junge Menschen, die mit 24 ihre Eltern um ein paar Euro fragen, wenn sie am Wochenende ausgehen wollen. Haufenweise Jugendliche, die klauen und Marihuana verkaufen. Und haufenweise Jugendliche, die, wenn sie es sich leisten können, ihr Studium verlängern und studieren und studieren und studieren, weil es doch keine Alternative gibt. Hoffentlich werden sie cleverer als wir es waren. Klar, Griechenland ist nicht Spanien. Und doch: vieles an der Krise und an seiner Bearbeitung hängt zusammen. Gemeinsamer Markt, gemeinsame Währung, gemeinsame Gläubiger - überall in der EU. In Spanien, Deutschland, Griechenland.

Gestern hat also “mein” Finanzminister, hat “meine” Regierung zur griechischen Staatsschuldenkrise verlauten lassen, eine Überbrückung von sechs Monaten sei “kein substantieller Lösungsvorschlag”. Als wenn die bisherigen Reformen eine Lösung geboten hätten. Sehen sie wirklich nicht, was hier auf dem Spiel steht? Die europäische Idee, die den Kontinent friedlicher machen sollte, hat sich der Idee eines Markts unterworfen, der den Kampf zwischen Verlieren und Gewinnern ausruft. In den letzten Jahren hat Deutschland wohl all das an Porzellan zerschlagen, was es in den Jahren nach dem zweiten Weltkrieg mühsam an Vertrauen aufgebaut hat.

Sind die Milliarden Euro an Bürgschaften und der Ausfall von Zinszahlungen ab 2022 wirklich wichtiger, als die 800.000 Griechen, die nicht mehr vom öffentlichen Gesundheistsystem versorgt werden können und ohne jede Transferzahlung leben? Milliarden von denen 77% in die Rettung der Banken geflossen sind? Noch dazu, wo die griechischer Regierung Reformen durchgezogen hat, wie sie in Deutschland undenkbar wären: Kürzung der Staatsausgaben um etwa 20%, Verringerung des durchschnittlichen Einkommens um 30%, Kürzung der öffentlichen Gesundheitsausgaben auf 6% (Deutschland 11%) Erwirtschaftung eines Primärüberschuss des Haushalts usw.

Deutschland dagegen verdient gut mit seiner auf Export gestrimmten Wirtschaft. Und es hat es auch bereits in den Jahren, in den in Griechenland noch U-Bahnen, Flughäfen und Strassen gebaut wurden. Es stellt Produkte für den segmentierten europäischen Markt her, mit denen niemand konkurrieren kann, und Produkte für den Weltmarkt, die dort dank billigem Euro so billig sind wie nie zuvor.

Mit der Einführung der Währungsunion wurde eine starkes Symbol geschaffen und ein Instrument, von dem Deutschland profitiert hat. Versäumt wurde dagegen das einzuführen, was zu einer gemeinsamen Währung gehört: Gemeinsame Steuer-, gemeinsame Wirtschafts-, gemeinsame Sozialpolitik. Wenn das jetzt aufgrund der Porteste der Bevölkerungen in kleinen Anteilen nachgeholt werden sollte, ist das nicht mehr als eine logische Konsequenz und hoffentlich nur ein Anfang. Ein halbes Jahr Aufschub? Wie kann das zuviel sein für die Suche nach einem innereuropäischen Ausgleich?

Ich bin es leid, und ich wünschte, mit mir wären es auch andere in Deutschland. Andere, denen klar ist, dass hier viel mehr auf dem Spiel steht, als der Verlust einiger Milliarden im Bundeshaushalt. Viel mehr als um das Abschreiben griechischer Milliardenhilfe geht hier, als wäre nichts dabei, die Idee eines friedlichen Kontinents und die Suche nach einem Ausgleich zu den Regeln des Marktes flöten.


08.12.14

Auf der anderen Seite



Einmal über den Berg, hinter den Park oder über den Fluss und da liegen sie dann, die Viertel, die nicht in den Touristenführern verzeichnet sind. Sie heißen Ciutat Meridiana, La Mina oder Trinitat Nova und schließen häufig an den Industriegürtel rund um die Stadt an, in denen ein bedeutender Anteil des Spanischen BIPs erwirtschaftet wird und Großbetriebe wie Seat und BASF ihre Fabriken betreiben.

Viele von diesen Vierteln sind in den 50ern und 60ern entstanden, als Stadt, Provinz und Communidad beinah um das doppelte wachsen, weil Migranten aus Kastilien, Extremadura oder Andalusien in die industriellen Zentren wandern. Zunächst wachsen an allen Ecken und Enden wild Baracken aus dem Boden, deren Bewohner dann in die neuen Bauten an den Rändern umgesiedelt werden. Mit der Einwanderungswelle in den Boom-Jahren Spaniens werden die in den 80ern zunehmend entvölkerten Viertel dann von den neuen Migranten, den Marrokanern, Rumänen und Latinos, übernommen und mit neuem Leben gefüllt.

Hier verschwinden die Flaggen Kataloniens, es wird, mit den Akzenten der jeweiligen Herkunftssregion, Spanisch, Arabisch oder Romanes gesprochen, und durch die Straßen schallt die Cumbia. Während man in meiner Gegend rund um die Sagrada Familia locker 150% des Durchschnittseinkommens der Stadt erzielt, liegen die Einkünfte an den Rändern im Norden im Schnitt bei 40%. Die offizielle Arbeitslosigkeit liegt dreimal und bei den Jugendlichen sogar sechsmal höher als in den reichen Vierteln der Stadt. Auch die meisten Zwangsräumungen, die als Folge der Krise entstehen, erfolgen hier, in den armen Vierteln der Stadt. Zwar werden die Mehrheit der Sozialen Dienste hier geleistet, der strukturellen Ausgrenung kann damit aber kaum entgegen gewirkt werden. Erst vor zwei Wochen kam es zu gewalttätigen Vorfällen auf dem Sozialamt in Nou Barris.

Wer sich auf seiner Reise nach Barcelona wundert,  dass man von der Krise nichts sähe, und auch wer sich fragt, wie der Reichtum im Zentrum erwirtschaftet wird, dem sei ein Ausflug an seine Ränder empfohlen.

 

26.11.14

Toma, guapo! Insights from the Mediterranean Market Model


Midweek. Time to talk some serious business. In a circle of 150 meters around my office, you can find three coffee bars. Since university campus is much bigger, I am sure there are even more bars to discover in the next months. Remember: In Essen, unless you count some Tschibo automats, no facility of that kind can be found. Closest there is Subway, where much more interesting than taking coffee is the weekly changing migrations population serving.

However, coffee bars here seem to be inherent part of every dining spot, serving whatever espresso lovers like: capuccino, lungo, cortado, bombón, con hielo – not talking about the beer tap which also forms part of the equipment and is quite popular from 10 in the morning onwards. Since privatization of public services became mayor concern of the right wing government of Catalunya, every bar has its own entrepreneur and therefor complete different coice of products. It took me the first weeks to get a grip on basic differences.

The one on the way (communication sciences) is the biggest one. Great place, but worst coffee and prices are high. You get it served by either an almost deaf pensioner (of who I am always afraid that he spills everything) or a grumpy youngster who tries to impress with coolness (of whom I am afraid that he spills everything). The middle one (political sciences), squeezed in on of the dark corners of the buidling has the most friendly staff. It does not matter which time of the day and how long the line, a bunch of middle-aged ladies always serve you with great mood and compliments. “Princes, what you´d like?” “Gorgeous, what can I do for you today?”. The one most far away (psychology and philosophy) is always crowded, has best prices (capuccino & croissant 1,50€) and best quality.

So where do I stay with? Of course I am deciding for the familiarist regime. Okay, there is no breakfast offer and drinks are some 5-10 cents more expensive but who has to compete while giving the sensation of security of strong bounds and home-like atmosphere?



14.11.14

The day after


Chats after 9-N (how they called the vote on independence of Catalonia here) almost all started with: “Thank god it´s over! Now, I hope we can start on other issues again.” To immediately afterwards get into a heated discussion why and who of the friends went to vote and what should be the possible consequences of the poll. Finally, some 2,3 millions went to ballot, 80% of them voting for complete independence. Could it be considered a success? The number corresponds to some 37% of eligible voters and around half of the people who usually take part in elections. So both blocs have reasons to consider the “participative process” a success and dicussions continue.

While I, accompanying a colleague, together with thousands of Catalans was waiting almost an hour in line to vote in crowded locations, I had time to develop some Catalan feelings. To vote against the wish of the central government and to feel the strength of people thinking the same about possible independence or at least more autonomy, creates symbols of collective memory and therefor can already be seen as a success for the independent movement. Process wont stop.

What happened since? Rajoy strongly rejected any implication of the vote and did not offer seriously any talks on the reformation of Spanish constitution. With general elections in sight next year, his strong pose gets the support of possible voters all over Spain who refuse more autonomy for Catalonia. The Spanish socialist party – stuck in the same conflict - tries with giving some mental support to the idea of reformation but refuses to take any parliament initiative to foster the process. Artur Mas, president of the Catalan community, tries to gain some political profit by declaring himself completely responsible for the vote and posing as victim of public prosecution. A posture not really loved by other parties in the coalition for independence. While talks are held whether elections in the autonomous community could be the next step, there is a serious hinder. The regional budget for 2015 should be dismissed till december. And with all the discussion on 9N, no plans are made, no coalitions formed. So question stays: Will there be space to talk about other topics again?

09.11.14

Ein katalanischer 9. November



videoNicht in Buenos Aires, sondern in Barcelona darf ich meinen ersten richtigen Caserolaso erleben. Seitdem am Dienstag das Verfassunggericht eine Volksbefragung zur Unabhängigkeit Kataloniens verboten hat, ist es jeden Tag um 22:00 Uhr Zeit, sich lautstark gegen die Bevormundung aus Madrid zur Wehr zu setzen. Zehn Minuten lang werden die Töpfe geschlagen, dass man es hoffentlich bis in die spanische Hauptstadt hört.

Sowieso ist Barcelona ganz in goldrot gekleidet, beeindruckende Massendemonstrationen finden statt, an jedem dritten Balkon hängt die Flagge der Region und fast an jedem Straßenpfahl wird man aufgefordert, am 9. November SI und SI zu stimmen. Ein Ja auf die Frage, ob Katalonien ein eigenes Land sein soll und ein Ja, um die Unabhängigkeit von Spanien zu unterstützen.

Trotz des Verbots: Heute wird gewählt. Zwar dürfen nun keine Beamten mehr den Prozess mit organisieren, aber dafür hat die Region schon früh genug vorgesogt. Jetzt sind es 30.000 Freiwillige, die die Wahllokale aufsperren, die Wahlscheine ausgeben und die Auszählung vornehmen. Und weil die Gegner der Befragung vor allem ihre Rechtmäßigkeit in Frage stellen, kommt es dann auch auf eins an: Wieviele Menschen heute wählen werden. Denn wer zu den Urnen geht, daran gibt es kaum Zweifel, der wird sich für die Unabhängigkeit aussprechen.

Zur Deseskalation haben die gerichtlichen Prozesse nicht beigetragen. Wer vorher noch skeptisch gegenüber dem einseitig ausgerufenen Referendum war, der sieht sich jetzt in seinem Recht auf Meinungsäußerung und Partizipation verletzt und geht erst recht zu den Wahlen. Bitterkeit über 300 Jahre Bevormundung und vor allem die Unterdrückung zu den Zeiten der Franko-Dikatatur, die den Menschen noch gut in Erinnerung ist, brechen sich Bahn.

So kommt es auch zu einer interessanten politischen Zusammenarbeit. Drei linke und gemäßigt linke Parteien paktieren in der Frage der Unabhängigkeit mit den katalanischen Konservativen, der Partei, die grade noch als Mehrheitsbeschaffer für Rajoy und seine Christdemokraten im Föderalstaat zur Verfügung standen.

Wie es überhaupt zum Pakt zwischen rechts und links kommen kann? Die Linken hoffen sich mit der Unabhängigkeit auch von der konservativen Politik aus Madrid zu verabschieden. Das reicht von denen, die nur mehr Geld in die Bildung stecken wollen, bis zu denen, die sich erhoffen, durch einen Austritt aus der EU das Spardikatat der europäischen Empfehlungen nicht mehr mit zu machen. Für die Rechten zählt vor allem, mehr Steuereinnahmen aus dem reichen Katalonien in der Region behalten zu können. Es geht also zwischen den Zeilen also auch immer wieder um die verheerenden Folgen der Finanz- und Schuldenkrise für das Land und die Region. Es ist kein Zufall, dass die Bewegung ausgerechnet jetzt so groß werden konnte. Mit dem Ruf nach Unabhängigkeit ist die Hoffnung auf ein besseres Morgen verbunden.

Aber was für ein Morgen soll das sein? Mit keinem Wort wird darüber diskutiert, welches politische Projekt in einem unabhängigen Katalonien verfolgt werden soll. Unabhängigkeit wofür ist also die große Frage. Und so kommt es dann doch zu heißen Diskussionen zwischen den Kataloniern, die das Referendum für Augenwischerei halten und denen, die ihr politischen Grundrechte gefährdet sehen. An der Uni, in der Bahn, in der Kneipe, überall wurde in den vergangenen Tagen darüber gesprochen und gestritten. Und wenn in Berlin die Ballons steigen, wird man in Barcelona vor allem fragen: Wieviele waren an den Urnen? An den Caserolassos lässt es sich schwer ablesen. Mein Blick auf die Balkone zeigt: es steht 50:50.


03.11.14

Ara és l´hora


Ara és l´hora   


Kaum hat man den Flughafen verlassen, will man schon zehn Seiten schreiben. Wie man hier spricht! (Quin goig! Guai, de puta mare!) Wie man hier das Ticket abstempelt! Wie man hier umsteigt! Was man sich hier aufs Baguette legt! Doch schon nach einem Tag ist nicht mehr alles Sensation und nach einer Woche, was man beobachtet, vielleicht noch eine Seite wert. Nach einem Monat fällt einem kaum noch das Besondere auf und nach einem Jahr hat man vergessen, wie fremd man ist - so sehr hat man den eigenen Alltag zur ganzen Welt gemacht.

Rasch also gilt es, den Blog zu öffnen und direkt zu erklären, warum denn in Deutschland kein Stückchen Keramik einen Eintrag erhielt. Rasch, bevor wieder alles in der Normalität versinkt. Auch und grade weil die letzten Wochen waren, wie sie waren. Ein paar Kacheln des Lebens festzuhalten, warum nicht? 

Still ist es hier, friedlich. Einmal um die Ecke der Metropole gegangen, verlaufen sich die Touristen, rollen keine Autos mehr über die Verkehrsachsen. Kein Laut zu hören, als ich meine Socken auf dem Balkon aufhänge. Zweihundert Fenster sehen mir zu. Morgens sitzen die Nachbarn bei café amb llet und croissant im wärmsten Oktober seit der Wetteraufzeichnung (wie könnte es anders sein) und abends werden die Hunde am Straßengitarristen vorbei um den Block geführt. Natürlich alles vor den rot-goldenen Flaggen Kataloniens, auch darüber wird noch zu berichten sein.

An der Uni, 20 Kilometer vor und 200 Meter über der Stadt, erzählt mir der Bibliothekar von Wiesbaden. Und wie modern er Deutschland findet. Einmal war er da, Ende der 70er, kurz nach dem Tod Francos und ist ganz begeistert zurück gekommen. Von Russland dagegen war er schwer enttäuscht: "Wie waren ja alle Linke damals! Aber was ich da sehen musste, das hat uns nie jemand erzählt. Ich habe einen Diaabend gemacht, wie die Menschen da wirklich leben." Noch einer, der Regime vergleicht; für Inspiration muss ich also nicht weit gehen.

25.02.12

Tile of the year 2012 – Kachel des Jahres 2012



















Tschüss Freunde! Der Kachelagent macht mal 'ne Pause um in den Weiten der Delftschen Tiefebene nach Inspiration zu suchen. Natürlich nicht ohne euch die Kachel(n) des Jahres vorzustellen. Die brasilianische Künstlerin Adriana Varejao zeigt was Kacheln in der Moderne zu erzählen vermögen. Guter Ausgangspunkt für´s Jahr. Bis die Tage!










Ciau Amigos! Kachelagent takes a break to search for some inspiration in the delft-ware lowlands. Last attention goes to Adriana Varejao, Brazilian artist who shows impressively what tiles are still able to tell in modernity. Good base for 2012. So far for now, keep searching for the marvelous universe of tiles. Tot ziens!


11.12.11

Belgium the first year – why it's difficult/easy to live in Flanders

Why it's difficult to live in Flanders:

  • The silence here. In the hallway. In a meeting. It takes three floors in the lift till somebody starts to talk. It takes 20 seconds after a presentation until a professional rises a question. It took me 6 month to get it.

  • The times. 6 o'clock p.m. and every common Flemish man has to sit around dinner table at home. Forget street life - family, thats where life takes place.

  • The provincial taste. Many Flemish people have never been to Brussels, whereas it's nowhere more than an hour away. They pretend its the Flemish capital but they do everything to avoid it.

  • The student organizations in which almost all Flemish youth takes part. Their ridiculous and humiliating entrance tests who remember of the Hitlerjugend.

  • 10 months that I had to repeat my daily order in my favorite bakery Pain Perdu. “A sandwich with cheese, alstublieft .” Accents make life difficult.

  • The question: “How much did you pay?” when treating somebody. Even if your close it seems very uncommon to take it easy with money.

  • 75% of the Flemish people vote right wing. From christian democratic (15%), liberal right (12%) to separatistic right (35%) and nationalistic (13%). Instead of being proud to be such a cultural divers country full of perspectives and options, they got stock somewhere in the nationalist interests and fears of the 19th century.

Why it´s easy to live in Flanders:

  • The past. My street, which already in the 16th century led to one of the city gates. The pictures from the golden age in the cathedral. The normality of present European history around the corner and in front of my window.

  • The baguettes of my favorite bakery. Cheese, carrots, tomato, salad and lots of sprouts. And the best: after 10 month they know my order and even serve it with a smile.

  • Brussels. Just an hour away. Such an unpretentious, international city full of ideas.

  • The beer. The chocolate. The fries.

  • The accent. Think of “salukes”, allez” and “zeg”.

  • The flemish pop songs. Such a small country, so many authentic, so many sensible songs.

  • “De ochtend” and “interne keuken” on radio 1. They make my day.

  • NMBS. For 7,40€ you get till the Luxembourgian woods.

  • Last tuesday we got the first openly gay prime-minister worldwide. A gay migrant is now the head of state. And the best: It´s even not a topic.


Elio di Rupo: Since Sinterklaas is a gay migrant our head of state.

05.11.11

Belgium the first year – from payboy to paydate


It was never planned, but I ended up in sex work again. It was Manyak from my Dutch class who – just 2 weeks after starting in the city – informed me of the free job vacancy at the Boysproject. It seemed to be fate and a month later, I signed the contract at the social organization for male sex workers in Antwerp. Old topics came to live again.

Of course I met a lot of constants in the business. Just to mention two:

First, the big group of migrants who search for possibilities to make a better living in Western Europe. In Antwerp, many of them are Macedonians, Kosovars and Romanians. Many of them talking German to me, explaining how much they love the country where they grew up for many years. Before they got deported. Its Belgium which offered a real perspective for these boys. After erring around Europe, the Belgium state started a regularization campaign and as soon as they had their papers in their hands, they disappeared out of the prostitution scene by entering the regular job market.

Second, the century old struggle between abolitionism and regulation. In Belgium it´s leading to the absurd situation that prostitution is not forbidden, but restraint by a lot of laws and rules, making it almost impossible to work legally. This policy has its effects. Police cleaned up the public places of Antwerp just before I arrived. With massive presence in the park and a lot of regulatory measures in the bars, male sex work almost disappeared out of the city's imago. Resolving by putting it out of sight – an old story in prostition.

But what's the profound change in these 5 years: Most of the business has become virtual.

Two reasons for that. First, the net forms an ideal anonymous platform to offer or to search for paydates. Nobody needs to visit anymore a stigmatized place, fearing being seen by neighbors or people from the own community.

Second, on sex dating sites we are not looking anymore for people, we are searching for the date. We can even describe the characteristics of the date: should it be a cut or uncut, piss or blow, m or xl, safe or unsafe. And “centjes” as they say in Belgium - pocket money -, are just one characteristic more. Men, in the safe place of an anonymous chatbox, start to ask: what would you pay? - and - what, if I pay? Sex, at least within the gay community, becomes more and more commodified.

It's a great deal for a sector of society which still has to struggle with stigmas. No man has been easily identifying with escort work. Due to collective construction, men have to be independent and strong, payers and not getting payed, top and not bottom. Most of men in the business stayed vague with hoe they earn the money. Additionally, as long as one does not take over an escort identity, sex work can be still considered by everyone (including the social organizations) as a temporal strategy. Now, with internet, there is no need at all anymore to form an escort identity. We are just negotiating dates. Paydates, in this case.

Internet and sexwork is a perfect match. Sex workers and clients stay as anonymous as possible, the idea of paydates does not effect the identities of the involved men and city politics is glad with getting the scene out of sight.

The Boysproject follows. We hang around on bullchat.be and gayromeo, gigolo.nl and gay.nl, contacting $-profiles and professional escorts. This summer, we started with the interactive webpage www.info4escorts.be (take a look) and like this constructed our virtual drop-in. So I spend my days hanging around in virtual bars, parks, clubs and private flats, seeing more dicks then I ever did before.

But I wonder, what will happen in a few years? Does the character of sex work completely change its appearance? Will it be something offered by everyone, maybe in a certain periods and situations? Will it be more and more accepted to pay as it becomes so easy accessible? And by spreading among the middle class, will it finally become a common cultural technique, accepted within certain rules?

09.10.11

Belgium the first year – sharing the flat


It is now one year of living in Belgium, living in Antwerp, living in Klapdorp. While the adventures of living in the Flemish culture certainly deserve an own chapter, lets start with summing up the personal things. It is also one year of living for the first time together with my boyfriend. And by that I mean not only sharing love and compassion, but much more serious: sharing the flat.

It is true when people say that living together is getting to know each other. For example: Getting to know what are the favorite songs of my boyfriend. Sung in bed while I am about to get a clue of Horckheimer/Adorno´s „Dialectic of Enlightenment“. My boyfriend's favorite songs seem to be pop songs from the eighties. I think that Horckheimer/Adorno have a certain disgust about mass culture since it ruins the reason. But maybe I missed the point - its hard to concentrate since I live in Klapdorp.

For example: Understanding why my boyfriend gets to the conclusion that the kitchen cloth has to lay on the left side of the sink. Every time I pick it up from there, my hygienic brain shouts: Right! It has to lie got damn right! Logical, from here it´s so much easier to get picked without touching the just cleaned dishes. But while living together I have understood that we change attitudes only very slowly. So I train my boyfriends access to reasonable placement of the kitchen cloth by putting it again and again on the right hand side of the think.

For example: Accepting how breakfast on Sundays can be such an irrelevant story. Breakfast on Sundays means to me: fruits, eggs, olives, vegetables, rolls of all kind, arranged in an aesthetic way. Breakfast on Sundays is a symbol of the triumph of life over the market, of basic luxury for everyone, of free spaces in a widely determined daily routine. In short, Sunday´s breakfast is a symbol of a better tomorrow. But Duchies do not seem to get it. How could it happen that they did not get over this sandwich thing? All they need is toast with cheese and margarine. Margarine!

But after one year of living together, the most complicated thing turns out to be always in contact with myself. Especially with my bad days and bad sides. And there are many, I had to discover. Before living together I did not know, because it was just me who had to stand me. I used to be quite content. But that was before having that walking mirror around me. Suddenly, I hear myself talking and reacting. Lacking interest of my boyfriend's hobbies, complaining about the placement of stuff, having difficulties accepting completely irrelevant habits. I got surprised that I am not interested in chatting and socializing every moment of the day. In fact, I found out to be quite a loner. I discovered to not be interested in food which consists basically out of potatoes and vegetables and I surely discovered that I hate pop songs from the 80ies.

After living together for one year, I can certainly tell that my boyfriend is a nice guy. But I have got some serious doubts about that intolerant, moody, anti-social and boring guy he is living with...










Despite all ups and downs of daily rollercoasting while living together, certainly the correct place of a kitchen cloth: right.

02.10.11

Het is gesplitst (beinah)!

BHV. (Sprich: BHW.) Eines der zahllosen belgischen Wörter, die ich nach einigen Monaten zwar übersetzen konnte, aber dessen Sinn sich mir nicht im Geringsten erschloss. So geht es einem Fremden in Deutschland wohl mit Worten und Ausdrücken wie “ALG2”, “schwarz-gelb”, “Sie haben da was” oder “riestern”.

BHV ist ein schwieriges Wort, soviel stand von Beginn an fest. Erwähnte ich es, wurde freundlich gelacht und erklärt, dass sowieso alle Politiker verantwortungslos seien. Danach wechselte man das Thema. Suchte ich in der Zeitung nach einer Erklärung, erfuhr ich zwar regelmäßig, dass die BHV Vorschläge von dem oder der auf keinen Fall zu machen seien. Jedoch nicht, worum es bei BHV eigentlich ging. Ein altes Problem, auch das wurde klar. So alt, dass keiner mehr Lust hatte, dem Neuen zu erklären, worum es ging.

Jetzt aber scheint es gelöst zu sein. “Voila, het is gesplitst!” hieß es vor 2 Wochen im ganzen Land. BHV ist aufgeteilt. BHV - Brüssel, Halle, Vilvoorde – steht für das Randgebiet rundum Brüssel, in das immer mehr frankophone Belgier ziehen. Historisch-politisch gehört es jedoch zum niederländischen Flandern. Über die Frage, wer hier wen wählen darf, wer hier das Recht hat amtliche Briefe in welcher Sprache zu empfangen, in welchen Sprachen hier vor Gericht verhandelt werden soll, streitet das Land seit 2004. Und rührt damit auch an den Kern eigener Macht: Welcher der verhandelnden Politiker stimmt hier einem Machtverlust zu? Tag 459 der Verhandlungen über eine neue Regierung hat eine Lösung gebracht.

Wer wo gewählt wird, das ist jetzt klar. Und damit die wichtigste Hürde genommen. In Flandern darf nur für flämische Listen gestimmt werden. Natürlich, die ganz rechten Flamen sind empört, denn in 6 Gemeinden gilt eine Ausnahme. Die meisten anderen Flamen denken, dass sie sich mit ihren Forderungen durchgesetzt haben.

Historisch ist das belgische Problem übrigens ein Europäisches. Nach der Besetzung des Kontinents durch Napoleon sollte eine größere Pufferzone her, ein Gebiet, das dem großen Nachbarn einen ersten Einhalt bieten konnte. Das Gebiet des heutigen Belgien wurde den Niederlanden zugesprochen. 1830 dann, nach der Revolution der katholischen Belgen gegen die Niederlande wurde es eigenständiger Staat. Seine Funktion als Puffer erfüllte es und zahlte blutig, wenn auch anders als gedacht. Sowohl im Ersten wie im Zweiten Weltkrieg wurde es zum Schlachtfeld für die gegen Frankreich anrennenden Deutschen. Und so ist ihr Streit letztendlich auch unserer.

BHV ist also weitgehend abgehandelt und auch über die Aufteilung der Steuern wurde ein Kompromiss gefunden. Jetzt nähern sich die Verhandlungen über eine Regierung der resteuropäischen Normalität an und versuchen die Frage zu lösen, wie angesichts der Finanzkrise im föderalen Haushalt 7,2 Milliarden Euro eingespart werden können. 7,2 Milliarden von 155. Eine Kleinigkeit.

16.07.11

Enjoy your burka before it's too late!


It's the last days of unlimited burka pleasure in Belgium. After July 23th it will be punished with some 137,5 € and up to 7 days of prison. So take out your favourite model and walk the streets of Brussels, Antwerp and Gent till its too late!

29.05.11

Post growth in Berlin

Last friday in Berlin. Conference about post-growth titled “Jenseits des Wachstum”, organized by attac. It was the atempt to set the debate on the national agenda after similar discussion lines (“decroissance”, “buen vivir”) already became important in other regions.

It is the question about how we are going to live in the future. Starting point of the analysis: Western lifestyle is not sustainable, regarding the ended resources of our planet. Oil peak and co2 emissions are just the the most urgent issues, but all our material consumption has to be included, surely the question of how to feed a world of 9 milliard of people.

Ecology is just one side of the coin. The other leads us to the question whether the aim of economic growth has been anyway of success. There is still a milliard of people starving, 2 other milliards have only the most necessary, and inequality kept growing in the so called developed world over the last 3 decades, making unemployment one of the most serious topic's of our time. Economic growth, athough paradigma for any political thinking in these times, does not offer solutions for either the ecological nor the social topics.

It' s the totality in which the concept influences all kind of social debates that I became aware of in Berlin. Germany is doing well these days, it has a growth of 3-4 percent – Hurray! But is it really a reason for boundless joy?

People are not only following the logic of the economic market. What about all the other decisions we take in our lives? Time we spend to grow up children, doing voluntary work, taking care of relatives, neighbors and communities. Decisions we take on education and workplaces although we know that we will gain less money. In Germany it´s just about a third of the working hours that people are getting paid for. After a certain level of wealth (around 15.000$ a year), people do not become significantly more content when they get richer. Why is it then, that in politics we just look to the growth of the GNP/BSP?

The conference offered a range of ideas about a post-growth society, from old style concepts of shortening of the work week to an unconditioned basic income, from the consensus between ecological an social aims to the implementation of other concepts of time.

It also raised questions. Are human needs really infinite? Can economic growth be sufficiently decoupled from the usage of resources? Will a post-growth society still base on capitalism or are there inherent defects in the system (accumulation of capital)? Will we have one market, no market or many different markets? What about the necessary growth in the south?

Discussion is opened to get heated.

(For those who want more: text about the question who growth entered our soules by Harald Welzer, follow the link to download. And below: video from the final discussion with Barbara Muraca, Matthias Schmelzer, Hans-Jürgen Urban, Angelika Zahrnt - in German)

19.05.11

Danke, gracias, thanks, bedankt!













Das war ein schönes Geschenk von euch, die vielen Nachrichten und Mails, vielen Dank dafür! Eigentlich hatte ich einen ganz normalen Tag auf der Arbeit, soll heissen auf dem Internet bezahlt Schwulenporno gucken. Und doch hielt die Welt rund um Klapdorp einige besondere Geschenke für den 17.5. bereit:
- Maxima wurde 40 und erhielt vom Parlament das Recht verliehen, den ofiziellen Titel Königin zu tragen
- Racing Genk wurde belgischer Meister und so für seine Flämischen Effizienz belohnt ("er is maar één club in Limburg!")
- Die Huren vom Schipperskwartier freuen sich über die Neueröffnung vom MAS und die damit verbundenen extremen Umsatzsteigerungen
- Ganz Belgien bekommt einen ersten ofiziellen Regierungsformer geschenkt, Elio di Rupo. Soll das etwa der Beginn einer ganz normalen politischen Lösung sein?


Great present that so many people were thinking of me and send their wishes, thanks a lot! I had a quite normal day working, meaning getting paid for watching gay porn on the internet. But the world around Klapdorp offered some special presents.
- Maxima turned 40 and parliament granted her the right to the oficial titel queen.
- Racing Genk became Belgium champion, an award to Flamish efficiency ("you are my racing, m only racing").
- The hores of the schipperskwartier are glad over the big increase of costumers caused by the opening of the MAS by King Albert.
- Whole Belgium gets as present a first official government former, Elio di Rupo. Might that be the beginning of a totally normal political solution?


Muchas gracias por todos los deseos y mensajes por mi cumpleanos, fue muy lindo saber que pensaron en mi!
Yo tenía un día re-comun en el trabajo, estando pagado por mirar a gay porn en el internet. A pesar de eso el mundo alrededor de mi calle daba unas sorpresas especiales:
- Maxima cumplió 40 y recibió el derecho oficial de nombrarse reina.
- Racing ganó el campionato. Racing Genk.
- Las prostitutas del barrio se alegran por el gran aumento de los ingresos causado por la inauguración del MAS por rey Albert.
- Toda Belgica recibió como regalo por primera vez en 11 meses a alguien que intenta a formar un gobierno oficialmente. El comienzo de una solución política normál para este país?

Andere schöne Überraschungen: der Besuch guter Freunde in den letzten Wochen bei uns.
Other nice surprises: the visit of some good friends here in Belgium in the last weeks.
Otras lindas sorpresas: La visita de una gente querida en las últimas semanas.