14.08.10

Asado/Grillen

Leaving Argentina: Asado. Entering Germany: Grillen. Are both barbecue events metaphors for our cultures? Is Argentina more authentic and Germany more artificial? Is Argentina more sharing and Germany more individualistic? Argentina less clean and Germany greener? Most important elements seem to contain the same: fire place, dead meat, alcohol, company. Most important: There was a farewell with a lot of cariño and a very warm welcome, too. With that support it might be posible to stand the differences in both societies...


Thanks again for a very nice last night in the Isedet with a lot of very important people and thanks Jona for being a great asador! Thanks also to my family for puting on the La Plata-Shirts and giving me such a nice and easy welcome!

10.08.10

Und sonst? Qué tal? Zweineinhalb Jahre La Plata, das grosse Ganze und die Nachbarschaft


Meine Bettlerin vor dem Supermarkt scheint nur noch am Samstag zu kommen. Dafür ist gegenüber jetzt ein junges Paar auf eine Matratze gezogen. Und als ich am letzten Freitag sah, wie ein Penner einen frisch aus der Mülltonne gezogenen Becher Cafe zu sich nahm, ist mir genauso schlecht geworden wie vor zweieinhalb Jahren.

Der Linksschwenk in Lateinamerika hält an. Mujica wird gewählt und mit ihm setzt die Frente Amplio ihren Kurs in Uruguay fort. Die grössere Sensation: Mit Fernando Lugo gewinnt in Paraguay ein ehemaliger Bischof, der die Einparteienherrschaft der Colorados seit über 60 Jahren bricht. In Bolivien wird mit über 60 Prozent eine neue Verfassung verabschiedet, die die Nation zum Vielvökerstaat ausruft. Trotz gegenteiliger Analyse von mir nach den Midterms im vergangenen Jahr in diesem Blog scheinen sogar die Kirchners Chancen auf eine Wiederwahl zu haben.

Ein paar Gegenströmungen: Die Rechte gewinnt erneut mit ihrem Kampf gegen den "Terror der Rebellen" in Kolombien, vielleicht enttäuschender: In Chile kann sich die soziale Christdemokratie nach den äusserst erfolgreichen Jahren von Bachelet nicht gegen die Rechte durchsetzen und ein Frontmann der Oligarchie wird Präsident.

50% (niemand weiss es genau) Inflation in Argentinien. Als ich ankam gab´s die Pizza bei Ugis für 8 Pesos, das Heineken in der Farmacia, unserer Lieblingskneipe für 15. Als ich ging lag die Pizza bei 12, das Bier bei 22. Mein Lohn stieg um 22%, der Euro um 13%. Der Mindestlohn, den es hier natürlich gibt, lag zu Beginn von 2008 bei 1000 Peso, heute bei 1840.

Die Supermärkte machen jetzt Werbung auf ihren Tüten: Bitte weniger Tüten benutzen. Zum Tag der Frau gibt es schicke Jutebeutel mit schickem Design. Natürlich strikt nach Klasse geordnet. In den Durchschnittssupermärkten für 5, in den schicken Läden für 12 Pesos.

Uruguay führt die eingetragene Lebenspartnerschaft mit allen dazugehörigen Rechten bis zur Adoption ein, Argentinien öffnet direkt die Ehe für die Homos.

Meine drei Länder wachsen wie China? Nicht ganz, aber im Vergleich zu Deutschland ist der Wachstum der letzten drei Jahren beeindruckend. Sie legen im BIP um zwischen 5 und 9% zu und retten, wie andere Schwellenl#nder dem Norden im Jahr der Krise den Arsch. In 2009 heisste es Wachstum statt Defizit, wenn auch im Bereich von 1 oder 2%.

Dank Fleischkonsum und Biosiesel hat Europa Anteil am Wachstum. Die Sojaernte in Argentinien wächst in meinen Jahren von 48 Millionen Tonnen auf etwa 55 Millionen, ähnliche Relationen in Paraguay. In Charata stehen ein paar Villen mehr und kurven mehr allrandangetriebene Jeeps. In Castelli wächst die Siedlung der Indigenas jede Woche um ein paar Hütten mehr. Es bleibt kein Platz mehr, um auf dem Land zu leben.

In Varela, in der Villa Itatí, ja sogar am Strassenrand vor La Cantera wird sichtbar wie Fortschritt geht. In den Armenvierteln werden Mülltonnen aufgestellt, Bürgersteige verlegt, Mobilfunkmäste aufgestellt. Die Nachbarn der Casa San Pablo haben eine Wand, die Kinder bei den den Drömels eine Matraze mehr. In Los Cables um die Ecke wohnen jetzt geschätzte 20 Familien, an der Strasse nach Pirayú 4 mehr. In Holzverschlägen.

02.08.10

Mi casa, nuestra vida


Jens en el pasillo oscuro. La aula helada en el seminario final, cafe instantáneo y el vocabulario en la terraza. Limpiar los dientes con Jens. La lluvia en septiembre, la guitara de Hugo en la noche caliente, Yasmine y Zohra esperando con vino. Belen se lleva de una esquina a la otra, cada vez recuperando su vida hasta el final. Las caderas de David y Alejandra, las noches de salsa, cine open air y bien tapada. Vasos que siempre faltan, alguna última noche de seminario y la luz de las velas brilla en el comedor. Días en el pasillo, la habitación, la casilla. Días en comunidad.




Hoy no hay más bombas, ni refugiantes, ni secciónes para hombres y mujeres. Pero el espiritú está vivo en este lugar que me fue la casa para el tiempo en el cono sur. Cada vez en cuando se abrió un nuevo pasillo, una nueva habitación, una nueva alma. Era mi mundo, eran mis mundos en este tiempo.

Jens, Loyda, Rina, Diego, Tania, Dennis, Hendrik, Ursula, Conni, Raquel, Marcia, Gloria, Lucas, Roberta, Carmen, David, Simona, Friederike, Alejandra, Thiago, Hannah, Juanse, Veronica, Christoph, Sabine... gracias por haber siendo mi casa!




Jens auf dem dunklen Flur. Abschlussseminar im eiskalten Winter, Langenscheid und Instantkaffee am Morgen auf der Terasse. Zähneputzen mit Jens. Septemberregen vor dem Fenster, Hugos Guitarre in der schwülen Nacht, Yasmine und Zohra warten mit Wein und Käse. Davids und Alejandras Hüftschwung, die legendären Salsanächte, cine open air und cover up. Belen, die sich von einer Ecke zur anderen schleppt, immer wieder mit einem neuem Leben bis zum Ende. Beständiger Gläserschwund, irgendein Seminarabschlussabend und das Licht der Kerzen erleuchtet den Comedor. Tage im Gästetrakt, auf dem Flur, in der Casita und vor allem: in Gemeinschaft.

Heute wirft keiner mehr Bomben, kein Flüchtling lebt mehr im Keller, kein Frauen- und Männertrakt teilt das Isedet. Doch etwas von seinem Geist lebt und war mir zuhause in meiner Zeit am La Plata. Immer wieder neu hat sich ein Gang geöffnet, ein Zimmer, ein Mensch. Zuhause und Welt zur gleichen Zeit.

Jens, Loyda, Rina, Diego, Tania, Dennis, Hendrik, Ursula, Conni, Raquel, Marcia, Gloria, Lucas, Roberta, Carmen, David, Simona, Friederike, Alejandra, Thiago, Hannah, Juanse, Veronica, Christoph, Sabine... danke, dass ihr mir zuhause wart!


Quizas se acuerdan? Había una noche de poesie, dejamos a Roberta las últimas palabras:


"... cada uno con la propia doble vida

una aca

la otra alla

amores, afectos

cosas y casas

en este ahora

reunidos

bailan danzas de distinta procedencia

pero de comun armonia

volviendo en los silencios

de la noche

donde un patio une..."

23.07.10

Hochzeit im Chaco













Zugegeben, ich hätte nicht gedacht, dass mich meine nächste und letzte Reise in den Chaco auf eine Hochzeit führt. Aber ein paar Monate Argentinien können manchmal das pralle Leben in sich tragen und alles, was zu Freude und Leid dazu gehört. Ich freute mich also riesig über die Einladung von Omar und Nina nach Charata. Ja, ganz normale Hetero-Hochzeit, zumindest das war keine Überraschung, auch wenn dieser Satz vor ein paar Monaten ebenfalls undenkbar gewesen wäre. Zum Standesamt habe ich es nicht geschafft, aber zumindest zum Fest wollte ich nicht fehlen.

Mit 80 Kilo Asado und nicht deutlich weniger Kartoffelsalat, 12 Kilo Hochzeitstorte, DJ Pult, Licht-Anlage und Innendecko in Gelb-Weiss waren die wesentlichen Parameter der Party abgesteckt. Gegen erstaunlich pünktlichen 22 Uhr ging es los, wofür wohl das Wetter (4 Grad und Polarwinde - das im Chaco!) verantwortlich war. Mit Leben gefüllt wurde das Fest vor allem durch die 10 Geschwister von Omar nebst Familie, die deutsche Seite wurde von Mona und mir abgedeckt.

Einige Geständnisse: Mona und ich waren gnadenlos overdressed. Ich musste mich wirklich anstrengen, um den Gesprächen über die Baumwollernte und das Schmachspiel der WM etwas Geistreiches (oder zumindest Unauffälliges) hinzu zu fügen. Alle anderen Hochzeitsbesucher tanzten einfach besser. Und zwar alles, von Caravella bis Chacarera - Tänze, um deren Existenz ich höchstens aus einem Tourismusführer der gehobenen Sorte wusste, nie allerdings einen Schritt gewagt hatte. Nun, eine der Kousinen weihte mich ohne Zögern ein.

Nina und Omar dagegen waren grossartig. Mit Bravour liefen sie die gesamte Hochzeitsgesellschaft ab, machten Fotos mit zahlreichen Nichten und Neffen, hielten die Stange beim Anschneideritual, hatten die Muße mit allen zu reden und: tanzten wie die Götter. Auch der beständig kommentierende DJ war überzeugt: "Miren que lindo que están los novios!" unterlegte zahlreiche seiner aufgelegten Rhythmen.

Gegen 5 ging es in die eisige Nacht, am Tag wartete schon mein Bus nach Capital. Bleibt mir nur eins, Nina und Omar alles Glück für ihre Zukunft zu wünschen. In Charata, in Aachen und allen Orten, Geistes- und Gefühlszuständen, die dazwischen liegen!

16.07.10

Der Abschied geht los... / Empieza la despedida...



Auch wenn es noch ein paar Wochen sind, mein Diakoniebuero, die Kirche, die Projekte und die Freiwiligen aus dem Jahrgang haben ihn gestern unwiederruflich eingeleitet: meinen eigenen Abschied. Danke fuer das schoenste Asado meiner zweieinhalb Jahre! Bilder habe ich keine, schliesslich bringt man keine Kamera auf Ueberraschungsparties mit, aber einen kleinen stimmlichen Eindruck. Ihr wart grossartig, danke!!! Era genial, gracias!!!

15.07.10

Ganaaaaaaaamos! Wahnsinn Argentina!!!

Es ist 5:10 am Morgen in Argentinien. Vor genau einer Stunde hat der argentinische Kongress die Ehe fuer Homos geöffnet. Nach 14 Stunden konzentrierter Debatte stimmt der Senat mit 33 zu 27 Stimmen für die Gesetzesänderung. Im argentinischen Bürgerlichen Gesetzbuch heissen Ehemann und Ehefrau jetzt schlicht: Partner.

Ich war live dabei. Draussen, vor dem Kongress und gemeinsam mit der lgbt-Gemeinde verfolgen wir die Debatte. Um 3 Uhr nachmittags gehts los, es folgen 14 Stunden bei 5 Grad und Polarwinden, ein Leerstück in Sachen Demokratie. Alte, Junge, Homos, Heteros, traditionelle Familien und solche, die es noch nicht sind. Oberklasse und Unterklasse, alle anwesend. Mit zeitweise bis zu geschätzten 20.000 Menschen hören der Debatte zu oder dem Kulturprogramm, buhen, wenn ein Abgeordneter sagt, dass wir die Mehrheit diskriminieren, lachen, wenn schwuler Mais ins Feld geführt wird, klatschen, wenn ein Senator sich für seinen schwulen Sohn eine gerechtere Zukunft wünscht. Und das alles unter einem Motto, dass es auf den Punkt bringt: Dieselbe Liebe, dieselben Rechte.

Drinnen im Senat wird eine Debatte auf einem Niveau geführt, das sich gewaschen hat. 70 Senatoren reden, argumentieren, von Sokrates bis San Martin, vom Europäischen Menschrechtsgerichtshof bis zu psychologischen Studien wird nichts ausgelassen. Und natürlich immer wieder die Kirche (die einzige, die katholische), weil man sonst auch wenig hat zum Festhalten. Wenig Populismus, viel Respekt, das ist selten in Argentinien und auch in Deutschland. Nur selten dominiert Parteipolitik die inhaltliche Debatte, etwa wenn der Kampf wieder für oder die Kirchners instrumentalisiert wird. Glaubwürdig ist das nicht. Es sind die Präsidentschaftskandidaten und ihre Verbündeten, die so reden. Die grosse Mehrheit draussen weiss, darum geht es nicht. Es geht um uns. Nur ganz am Schluss passiert es dann doch. Die Vorsitzende der zuständigen Senatskomission bäumt sich ein letztes Mal auf und sagt unter Tränen: Was abartig ist, muss abartig bleiben.

Als endlich zur Abstimmung gegangen wird, starrten wir alle wie gebannt auf die Monitore. Als die Anzeigentafel die Mehrheit für die Öffnung der Ehe anzeigt, rassten wir aus. Ein einziger Jubel durchbricht die Nacht, wir liegen uns in den Armen, rennen über den Platz und schreien "Igualdad"! Maria Rachíd, eine der wichtigsten Initiatorinnen des Gesetzes, fehlen die Worte, niemand scheint richtig auf den Sieg vorbereitet zu sein. Hinter ihr ist die Bühne schon halb abgebaut. Und dann findet sie doch den richtigen Ton: "Euch, die ihr Angst habt, dass dieses Gesetz unsere Gesellschaft spalten wird, sagen wir: macht euch keine Sorgen. Nichts Schlimmes wird nach dieser Entscheidung passieren. Im Gegenteil. Sie wird uns helfen, diese Gesellschaft weiter zu vereinen."

Wir versuchen noch einigen Argentiniern den Terminus "eingetragene Lebenspartnerschaft" zu übersetzen. Unmöglich. Bleiben wir lieber beim Motto: diesselbe Liebe, diesselben Rechte. Vamos Argentina - Was für eine Nacht!

04.07.10

Equipazo und Entsetzen


Public Viewing in einem der Parks von Buenos Aires. Zusammen mit 4000 Argentiniern und 3 Deutschen schaue ich mir das Spiel. Vorher hatte ich mir zurecht gelegt, für die Argentinier zu sein. Immerhin lebe ich hier zweieinhalb Jahre, hätte mich über letzte Woche in einem feiernden und stolzen Land in albiceleste gefreut, hatte Angst vor den gekränkten Reaktionen gegenüber einem Deutschen, habe ihnen eine Revanche für 2006 gegönnt, mich über Schweinsteiger und Lahm geärgert und fand die ersten Spiele der Argentinier überzeugend. Kein Problem, das blauweisse Trikot über zu ziehen. Der Park singt und mit Kappe und Flagge auf der Wange hüpfe ich bei der Nationalhymnestimme und gröle, dass das Equipo gegen die Schwuchteln gewinnen soll.

Geklappt hat das nicht. Stattdessen habe ich einige der angespanntesten Minuten meiner Zeit im Cono Sur verlebt. Verlor Alemania den Ball, zog sich meine Brust zusammen, bei den Chancen der Deutschen beruhigte sich mein Gemüt. Ich bewunderte jede gelunge Kombination und wünschte mir mehr Tore. Nach 10 Minuten der zweiten Halbzeit überlegte ich, heimlich meine argentinische Glücksmütze abzusetzen. Nicht, dass mir die Argentinier egal wurden, auch mit ihnen litt ich mit. Aber meine Freude war auf Seiten der Deutschen. Gewonnen hat zum Glück das bessere Team: wir. Fahnenflüchtling habt ihr geschrieben, weit gekommen bin ich nicht. Merkwürdiges Ding, der Patriotismus. Meine Argentinier hatten es mir ja eh nicht geglaubt. Seit gestern kenne ich eine der grössten Schwierigkeiten im Fussball: Dass nur einer gewinnen kann.

Und der Rest des Publikums? Wakawaka vor Beginn, Stimmung wie in der Bomboñera und viel Zuversicht. Dann das Tor in der zweiten Minute. Stille. 4004 Menschen geschockt. Die famosen Minuten der Deutschen. Wir bleiben stumm. Kein Raunen, kein Gesang unterbricht das Entsetzen. 20 Minuten in Starre. Nie war Argentinien so still.

Erst nach dem Lattenknaller von Messie erinnern wir uns an unsere Aufgabe und stellen den 12. Mann wieder auf. Erste Gesänge, der Park trommelt wieder. Eine Halbzeitpause in Anspannung. Dann der furiose Beginn der zweiten Hälfte. Es riecht nach Tor und endlich finden wir unsere Stimme wieder, die Menge singt und will das Equipo zum Ausgleich feuern.

Dann bricht Klose Argentinien das Herz. Wir können es nicht glauben. Die Stille kehrt zurück in den Park. Beim dritten Tor verlassen die ersten Fans das Amphitheater. Was für ein Bild, was für eine Enttäuschung. Es passiert etwas Unglaubliches. Als Müller vom Platz geht, klatschen ein paar Fans. In Anerkennung. Der Kommentator wiederholt beständig das Wort "equipazo" - Hammerteam. Er meint die Deutschen. Einer hinter mir schreit noch "Palermo". Ein Witz, auch Bocas Rekordstürmer wird Argentinien nicht mehr retten können. Beim vierten Tor sind 90 Minuten vorzeitig vorbei. Ohne Pfiffe, ohne Hass gegen die Deutschen steht ein beträchtlicher Teil des Publikums auf. Das Spiel ist aus, bevor es abgepfiffen wird. Die Fans schleichen nach Hause, es sind ruhige Stunden. Erst am späten Nachmittag kehrt Alltag auf die Strassen zurück, ein Alltag, der die Niederlage und die Enttäuschung nicht vergessen macht. Heute muss das Leben weitergehen. Muss, auch wenn viele kaum Kraft dazu haben.

Was habe ich für ein Glück, denke ich, als ich ins ISEDET zurück kehre, wo die internationale Gemeinschaft mit mir auf den Sieg der Deutschen anstossen will. Was für ein Glück, dass ich heute feiern kann. Und mehr als je zuvor verstehe ich das Gesicht von Maradonna und die wenigen Worte die einige meiner argentinische Freunde für mich finden. Es sind vorsichtige Schritte, die ich heute in einem leidenden Argentinien mache.

29.06.10

Vamos Argentina: 100 % !!

So schnell kann´s gehen. Heute morgen startet alles wie erwartet: Der Portier diskutiert mit mir über Samstag, mein Chef spricht nicht mit mir, die deutschen Partner fragen, ob Sicherheitsgefahren bestehen. Doch dann kommt überraschend die Wende. Am Abend wird mir klar, welches ganz grosse Spiel Argentinien grade wirklich spielt.

28. Juni 2010, 41 Jahre nach dem Stonewall-Aufstand. Vor dem Kongress in Buenos Aires versammlen sich mehrere 10.000 Menschen, um für die Hochzeit von Schwulen und Lesben einzutreten. Am 14. Juli wird der argentinische Senat (Vertreter der Provinzen) darüber abstimmen, ob Argentinien die Ehe Schwulen und Lesben öffnet.

Das argentinische Unterhaus hatte bereits im Mai für die Gleichstellung homosexueller Paare gestimmt. Ein unglaublicher Erfolg, der noch vor ein paar Jahren undenkbar gewesen wäre. Vorausgegangen war dem Votum ein Gerichtsurteil, das die Geltung der Ehe nur für Heteros als verfassungswidrig einstufte und die Heirat eine schwulen Pärchens zuliess. Das löste eine Lawine aus. Viele andere Schwule und Lesben folgten, um sich gerichtlich Zugang zur Ehe zu verschaffen. 4 rechtskräftige Homo-Ehen zählt Argentinien bereits. Die Legislative muss nachziehen. Und plötzlich sind alle dafür. Unter Druck bildet sich ein bereites Parteienbündnis von Teilen der Konservativen, Sozialdemokraten. Peronisten, Linken und stimmt im Hauruckverfahren für die Homo-Ehe. Jetzt fehlt nur das Oberhaus. Im Senat wird es spannend werden, der Ausgang ist offen.

Und was ist das für ein Gesetz! Der Entwurf sieht vor, im Paragrafentext einfach die Worte Mann und Frau durch Partner zu ersetzen. Einfach austauschen. Kein neuer Paragraph, kein neuer Abschnitt, kein neuer Satz. "Partner" sollen die Ehe führen. Und plötzlich wird die Ehe ein homo-offenes Institut, mit selbstverständlichem Zugang zu allen Rechten und Pflichten. Argentinien wäree das erste Land Lateinamerikas, das die Ehe den Homos öffnet.

Wir kleinlich waren wir Deutschen dagegen in 2001, als wir das Lebenspartnerschaftsgesetz einführten. Schon der Titel macht klar, und das ganze Rechtsinstitut will es so: Die Homos sind anders. Ihre Liebe ist anders. Ihre Rechte auch. Eine Rednerin kommentiert auf der Bühne diesen Vorschlag, der auch in Argentinien die Runde macht. Hätten sich die Schwarzen vor einigen Jahrzehnten freuen sollen, dass sie auf den Bänken hinten im Bus Platz nehmen mussten? Hauptsache, sie durften überhaupt mitfahren?

Die, die jetzt laut gegen das Gesetz schreien, sagt ein anderer, die seien der beste Beweis, dass wir das Gesetz brauchen. Das argentinische Volk wolle und brauche mehr Gleichheit, es solle wie bei der Aufarbeitung der Diktatur wieder voran gehen und die Menschrechte verwirklichen. Dann singt der ganze Platz die Nationalhymne: Libertag, libertad, libertad.
Vamos Argentina! Das ist ganz grosser Fussball!

27.06.10

Que choque el sábado!

Jetzt ist es also Wirklichkeit, die Wiederholung von 2006. Und für wen ich bin? Natürlich für Argentinien. Zumindest wenn sie mich lassen! Aber ich weiss jetzt schon, dass mein Gemüseverkäufer, mein Supermarktkassierer, mein Diakonieteam und überhaupt jeder, mit dem ich in der nächsten Woche spreche, Kommentare lassen wird. Die ersten DrohSMS meiner sonst ruhigen Kollegen haben mich schon erreicht, "zieh dich warm an" heisst es darin. Ich werde mal sehen, ob die unschuldigen Freiwilligen und ich nicht in der Botschaft mit Polizeischutz gucken können. Schwierig, dann noch für Messi und Co zu fiebern. Dennoch: wir haben el maxi, el flaco, el nacho, el gringo, la pulga. Und ihr? Utzi, Fridritsch und Sweinesteiger. Wird schwierig werden, Schland.

Partidazo!

... das meist genannte Wort der argentinischen Kommentatoren. Soll heissen: Hammerspiel. Und sogar die Print-Presse ist sich einig. Deutschland habe England weggeputzt, habe ueberlegen Farbe gezeigt und sich damit zum ernsthaften Kandidaten auf den Titel gemausert, einen teutonischen Sieg errungen, bei aller Polemik ueber das ungueltige Tor Ueberlegenheit gezeigt und sogar "Angst gemacht". Vielleicht auch dem argentinischen Team? Saetze, die der Presse hier nicht leicht fallen, wird doch in der Regel jeder potentielle Gegner aufs Minderwertige reduziert, oder erst gar nicht mit Worten bedacht. Also, fuehlt euch geschmeichelt! Jetzt stehen wir fest als Gegner der Argentinier, die gleich gewinnen werden. Fuer euch vor den germanischen Glotzen noch ein bisschen Spanisch fuer Anfaenger: Vamos albiceleste! Und dann ab in die wahre Mutter aller Schlachten. Und ich werde rechtzeitig vor Samstag meine Staatsbuergerschaft ablegen und mir einen daenischen Akzent zulegen.

15.06.10

The best of Venezuela and Rio...

... and the only one.

Although we consider Rio to be the most beautiful located city we ever saw and although the propaganda of Chavez´ country would be worth more then one pic, W32/Sality.y does not allow us any access to the fotos we took there. Till we solved that you have to use your fantasy which will be kindly supported by some common tunes. (As you suspect, the editors also expect to find new readers amongst the supporters of the Brazilian football team whith being of use during their victory celebration and finally making this webpage attractiv for the gay crowd, too.)

The best of Colombia







12.06.10

Worldcup

We ended up in Brazil, spending our last days in amazing Rio. Already effected by football fever there is no time anymore for best of Colombia or best of Caracas. Instead, I like to show you some commercial commentary from our Brazilian friends. Enjoy the cup!

06.06.10

postscript Caribe

achja, and than we of course enjoyed the beach in Playa Blanca y Taganga. To share palmtrees and white sand with you, here some pics:
















You maybe have sunshine...


...but we have the Carribean Sea! After 7 weeks of travelling we reached the geographical peak and final destination of our travel route which at the beginning looked pretty far and unrealistic. Already last monday we reached Cartagena, Colombia, by some called the most beautiful city of South America. Surely it is one of the most historical one

Founded by the Spaniards in 1533 in fastly became an important location for the american-european trade. The Spanish organized the trade with the Americas in a very strict and completly controlled way. Once a year one convoi of ships left to Central America, then viceroyality of Mexico, and one to South America, then Viceroyality of Peru. The southern route led via the carribean coast of nowadays Colombia with an obligatory stop in Cartagena. On the way back, before unifying with the Nothern fleet in Cuba, the ships stopped here, too, loaded with the richness of the new world, before going back to Sevilla. The valuable armada had to pass risky waters, pirates waited to get their part of the big cake. Cartagena and the whole region became the origin of countless pirate stories. The "flotas" were therefore protected by the Spanish armada, and Cartagena became more and more a fortress. Rich merchants houses inside and the big wall and defensing forts sourrounding the city.

We arrived with less valuables than the conquerers (my second flipp-flopps broke after 2 weeks of using them, rising again questions about foot fashion) and were basicly shocked by the heat. It was hard to enjoy the beauty of the city, our views were clouded by the sweat from our foreheads, and our noses effected by the smell of fish over the whole town. But since our arrival we know why the sea in Monañita for some people still could be a cold water, while we do not have sufficent fruits in the rest of the world and salsa waves reached shores around the globe.


04.06.10

Old war and fresh wind - elections in Colombia


Having almost reached the geographical peak of our travel, we just arrived in time for the first round of presidential elections in Colombia. For polling day we found accomodation at a friend of David in Cali, third biggest city of the country. Wilfredo and Julian gave us an excellent introduction into current politics and Cali's varios faces.

Elections were special. Colombia is almost the only country left in Latinamerica being ruled by a right wing government and the only remaing country being a reliable partner for the United States. The current president Uribe's sucess by combating Farc and other guerilla groups and his hard approach to reinstall public safety brought him to be one of the most popular leaders of the continent. His denial to call the state of the country civil war, the suspicion that the government has illegaly supported right wing paramilitaries, more than 6 billions (Milliarden) euros paid by the US to finance "Plan Colombia" with an almost exclusively military approach and desatrous consequences for the environment did not minor his popularity. Nevertheless, his try to become for the third time president was rejected by High Court, so fastly Uribe had to present another candidate following his course. With Manuel Santos he chose for a rather controversial figure. Santos serves as defensive ministry in the current government, was responsible for the atacks on Ecuador last year and blamed to have connections to the paramilitaries.

Voters first seemed to disregard Uribe's choice and polls before the elections indicated a surprise. The former mayor of Bogotá Antanas Mockus and leader of the previously irrelevant green party of Colombia rose and rose in the public opinion until a standoff or even advantage over the establishment's candidate. Indeed, we entered Colombia and saw Mockus everywhere: On pictures, in facebook, in talks with the younger generations, of which at least a big part was enthusiastic by a new and incorrupt option, presenting new ideas as political solution to the countrie's problems. Even on election day people on the street were rather dressed in green than in orange, the color of Uribe's party. The persons we met who did not vote for Mockus,rather voted for other more liberal candidates instead of Santos.

At 16.00 o'clock, after closing the elections, next surprise was published on tv. Santos won with a big advantage. He was almost to get the absolut mayority in the first round by reaching more then 46 percent. Mockus stood with 21. Anyway, with being the most voted candidates they both make it to the second round in 3 weeks. Seems that the party of Uribe, shocked by the polls, could turn around their strategy, has mobilized every posible supporter against the enfant terrible and hippie Mockus who once showed his nacked ass to the audience of a political discussion and does not fit into the image of a strong minded and determined plitician.

When first results were published, we met David's grandmother. Although disappointed, her first comment was: "It were calm elections." Bliss in a country who is involved since decades in a civil war and who could not guarantee public just a couple of years ago.

To some degree, the turmoils of the country were even posible for us to discover. Strong police control right after our entrance to Colombia in the Pasto region, where the guerilla still has their hands on. Friends who had to pay 5000 US$ to have the privilege to not fullfill their obligatory army service. A father who served and was shot in the army, now spending his life as a veteran. Brother and sister of the housemaid living for two weeks with the family of Wilfredo. School was suspended in their home village where the Guerilla still has a strong impact and where the authorities were afraid of troubles before the election. And to complete the sad story, their mother was killed just 5 months ago.

Certainly, after restoring public order more is necessary to reconciliate the country and more recipies are necessary to reach peace in society than only military answers. After 20th of june, when presidential elections go into their second round, one of the candidates has the chance to do its best and go further in the peace process.

Julian and Wilfredo explaining the countrie's history.
Lines in front of a polling station in Cali.
Mockus approaching Colombian people after reaching 21% of votes in the first round.

31.05.10

Best of Ecuador

Without any comments, already in Colombia and fascinated by the rich explinations of Wilfredo and Julian about the recient history of the country and of the first round of presidential elections which took place this sunday, here, some of our impressions of the days in Ecuador.






visit at the Sionah community , Jesuit church in Quito, central square, scenes in Baños I & II, in the andes, San Franzisco convent Quito, view from El Mosaico, Puerto Bolivar , meetings in Cuyambeno